Gewicht im Blick: Warum Übergewicht Ihrem Tier schaden kann

Übergewicht bei Hund und Katze: früh erkennen und gezielt handeln

Viele Menschen denken, Übergewicht sei lediglich eine Frage des Aussehens. Doch leider ist das weit gefehlt.

Übergewicht bedeutet eine Anreicherung von hormonaktivem Fettgewebe. Dieses produziert beispielsweise Entzündungsfaktoren und kann die Lebenserwartung eines Hundes um bis zu 2,5 Jahre verkürzen.

Auch Erkrankungen wie

  • Arthrose,
  • Blutzuckererkrankungen wie Diabetes mellitus und
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen

werden durch Übergewicht begünstigt. Gleichzeitig kann sich die Immunabwehr verschlechtern. Auch das Narkose- und Komplikationsrisiko bei Operationen ist deutlich erhöht.

Übersteigt das Körpergewicht das Idealgewicht um 5 bis 20 Prozent, spricht man von Übergewicht. Liegt das Gewicht mehr als 20 Prozent über dem Idealgewicht, handelt es sich um Adipositas, also Fettleibigkeit.

Fast 60 Prozent der in Deutschland gehaltenen Hunde sind von Übergewicht oder Adipositas betroffen.

 

Wie erkennen Sie, ob Ihr Tier übergewichtig ist?

Allein das Anschauen reicht nicht aus.

Legen Sie beide Hände flach auf den Brustkorb Ihres Tieres. Spüren Sie bei der Bewegung sofort die Rippen, ist alles in Ordnung. Benötigen Sie jedoch leichten Druck, um die Rippen zu ertasten, hat Ihr Vierbeiner zu viel Gewicht.

 

Was sollten Sie bei der Fütterung eines übergewichtigen Tieres beachten?

Bei leichtem Übergewicht reicht es häufig aus, einige grundlegende Hinweise zu beachten.

 

Wiegen Sie die Tagesration genau ab

Wiegen Sie das Futter ab und stellen Sie die gesamte Menge für den jeweiligen Tag bereit. So ist für jedes Familienmitglied klar ersichtlich, wie viel Futter Ihr Tier an diesem Tag erhalten darf.

Übliche Messbecher sind für eine genaue Portionierung zu ungenau.

 

Geben Sie keine Nahrungsmittel vom Tisch

Verzichten Sie möglichst darauf, Ihrem Tier Nahrungsmittel vom Tisch zu geben.

Wenn dies unbedingt nötig ist, entnehmen Sie die entsprechende Menge aus der bereits bereitgestellten Tagesration.

 

Berücksichtigen Sie Kauartikel und Leckerlis

Kauartikel sind häufig sehr kalorienreich. Vermeiden Sie diese deshalb möglichst.

Zur Beschäftigung und Zahnpflege können Sie stattdessen ein mit Futter gefülltes Kauspielzeug verwenden.

Reduzieren Sie außerdem die reguläre Futtermenge, wenn Sie Leckerlis geben. Manche Snacks enthalten so viele Kalorien, dass sie den Tagesenergiebedarf einer Katze oder eines kleinen Hundes bereits nahezu vollständig decken.

Viele Hunde lieben beispielsweise kalorienarme Gurke als Leckerli.

 

Denken Sie auch an versteckte Kalorien

Auch Zusätze wie Öl oder Hilfsmittel zur Medikamenteneingabe, beispielsweise Leberwurst, enthalten viele Kalorien.

Achten Sie außerdem darauf, dass Mülleimer und Komposthaufen für Ihr Tier nicht zugänglich sind.

 

Was ist bei deutlich erhöhtem Gewicht zu beachten?

Hat Ihr Vierbeiner deutlich zu viel Gewicht, reichen diese Maßnahmen meist nicht aus.

Eine radikale Reduktion der Futtermenge oder eine Nulldiät sind jedoch ebenfalls keine Lösung.

Sie können zu Mangelerscheinungen führen. Außerdem kann Ihr Tier dadurch verstärkt betteln, ständig nach zusätzlichem Futter suchen und vermehrt Dinge aufnehmen, die nicht für es bestimmt sind.

In diesem Fall ist es sinnvoll, über eine Futterumstellung nachzudenken.

Spezielle, kommerziell erhältliche Nass- und Trockenfuttermittel sind im Kaloriengehalt reduziert. Gleichzeitig sind sie hinsichtlich ihrer Nährstoffe so bilanziert, dass Ihr Tier eine größere Menge davon fressen kann und dennoch Gewicht verliert.

Der hohe Rohfaseranteil vergrößert das Futtervolumen und senkt gleichzeitig die Verdaulichkeit der Ration. Dadurch fühlen sich die Tiere gesättigt.

Eine unbedenkliche Folge dieser Fütterung ist ein häufigerer und vermehrter Kotabsatz.

Bitte beachten Sie: Im Handel werden vermeintliche Light-Futtermittel angeboten, die mehr Kalorien enthalten können als „normale“ Futtermittel.

Lassen Sie sich daher bitte von uns beraten.

Kochen Sie für Ihr Tier selbst oder barfen Sie, lassen Sie bitte eine geeignete Abnehmdiät von Fachleuten berechnen.

Auch hierbei ist es wichtig, die einzelnen Bestandteile genau abzuwiegen.

Die Umstellung auf mageres Fleisch wie Geflügel oder gekochten Fisch beziehungsweise eine Reduktion der Kohlenhydrate verändert das Verhältnis der Nähr- und Mineralstoffe. Deshalb ist eine neue Berechnung der Ration sinnvoll.

 

Wie schnell sollte Ihr Tier abnehmen?

Das Ziel ist, dass Ihr Tier ungefähr 1 bis 3 Prozent seines Körpergewichts pro Woche verliert.

 

Welche zusätzlichen Maßnahmen können helfen?

Motivieren Sie Ihren Hund oder Ihre Katze zu mehr Bewegung.

Bieten Sie Trockenfutter beispielsweise ausschließlich über einen Futterball oder ein anderes Futterspielzeug an.

Dadurch

  • frisst Ihr Tier langsamer,
  • ist es länger beschäftigt,
  • bewegt es sich mehr und
  • das natürliche Jagdverhalten wird unterstützt.

Für ältere Hunde mit Gelenkproblemen können zusätzlich Physiotherapie mit Unterwasserlaufband oder Schwimmen geeignet sein.

 

Vorsicht in besonderen Lebenssituationen

  • Jungtiere
    Haben Sie ein Jungtier, stellen wir Ihnen gerne eine Wachstumskurve zur Verfügung.
    Anhand dieser können Sie die Gewichtsentwicklung Ihres Hundes in Abhängigkeit von seinem Alter überprüfen. So lässt sich sicherstellen, dass nicht bereits der Welpe übergewichtig ist.
  • Nach der Kastration
    Nach einer Kastration sinkt der Energiebedarf sehr deutlich.
    Um eine Gewichtszunahme zu vermeiden, ist die Umstellung auf ein kalorienreduziertes Futter in den meisten Fällen sinnvoll.
    Sprechen Sie uns gerne an.
  • Bei dauerhafter Medikamentengabe
    Bestimmte Medikamente, beispielsweise Kortisonpräparate oder Antiepileptika, steigern häufig den Appetit.
    Damit sich Ihr Vierbeiner gesättigt fühlt und dennoch nicht zunimmt, kann bei einer notwendigen Dauermedikation ebenfalls eine Futterumstellung sinnvoll sein.
  • Bei Erkrankungen
    Schilddrüsenerkrankungen beeinflussen den Appetit und die Verwertung der aufgenommenen Energie.
    Die Symptome und Blutwerte helfen uns bei der Diagnosestellung. Diese Erkrankungen sind sowohl beim Hund als auch bei der Katze gut therapierbar.
    Bewegt sich ein Tier aufgrund von Schmerzen des Bewegungsapparates oder während der Ruhigstellung nach einer Operation weniger, verbraucht es auch weniger Energie. Die Fütterung sollte entsprechend angepasst werden.

 

Unser Fazit

Wiegen Sie Ihr Tier regelmäßig und reagieren Sie bei einer ungewollten Gewichtszunahme sofort.

Übergewicht vorzubeugen ist deutlich einfacher als eine später notwendige Gewichtsreduktion.

Soll Ihr Tier abnehmen, überprüfen Sie regelmäßig den Erfolg. Gerne können Sie alle vier bis sechs Wochen kostenfrei zum Wiegen in unsere Praxis kommen.

Nach der Gewichtsreduktion zeigen viele Tiere ein deutlich aktiveres Verhalten. Ihre Lebensqualität verbessert sich und ihre Lebensdauer wird häufig verlängert.

Bleiben Sie konsequent und geduldig: Das Erreichen des Idealgewichts dauert oft viele Monate.

Wir sind für Sie da!